Kapitel 10

Die Zeit wird knapp! Was soll ich nun tun? Folge ich dem Willen der Herren von Nocturnus, so muss ich meine Gefährten in den Kampf führen. Kann ich das zulassen? Lediglich Ulrik führt seine Axt mit außergewöhnlichem Geschick, jedoch scheint auch er mir kein Soldat zu sein. Und dann haben wir es aller Wahrscheinlichkeit noch mit einer deutlichen Übermacht zu tun, wir kennen weder das Schlachtfeld noch den Zeitpunkt. Lediglich das Überraschungsmoment wäre auf unserer Seite. Schoneinmal war es mir nicht möglich diejenigen zu schützen für die ich mich verantwortlich fühlte. Möglicherweise ist es ja ausreichend den Ritter von Chamerau zu informieren, so dass er selbst des Flüchtigen habhaft werden möge.

Vielleicht sollte ich besser am Anfang beginnen zu berichten. Ich hatte schon befürchtet, in eine derartige Situation zu geraten als wir gestern von Nocturnus aus aufbrachen. An diesem Tag erreichten gleich drei Nachrichten die Gelehrten des Bundes. Zunächst wurden sie von Theuderic unterrichtet, dass Tolides auf unbestimmte Zeit abwesend sei. Ich kann nicht behaupten die finstere Gestalt zu vermissen. Auch Haraldus lies verkünden, er müsse in Richtung Nürnberg aufbrechen. Schließlich lies Theuderic auch die neusten Nachrichten aus Vurte verlauten. Daraufhin wurde sofort eine Sitzung der Magi einberufen bei mir auferlegt wurde zusammen mit Aida, Ulrik und Karl loszuziehen und den Halsabschneider Gerret im Namen des Bundes zu stellen. Schließlich trügen wir für seine Flucht die Verantwortung.

Unsere Nachforschungen führten uns zunächst nach Vurte. Während Karl alte Bekannte befragte begab ich mich mit Aida ins Wirtshaus um dort möglicherweise etwas herauszufinde. Beide Fährten führten in dieselbe Richtung, die Straße von Kötzing nach Cham. Interessanterweise wurde mir beim Verlassen das Gasthauses von einem Ortsansässigen geraten in Karls Gegenwart auf meine Geldbörse zu achten. Wie sollte ich denn solch einen zusammengewürfelten Trupp anführen?

Unser Weg führte uns weiter nach Cham. Nachdem wir, bessergesagt Ulrik auf der Straße nur knapp einer Patroullie des Ritters entgehen konnten, erreichten wir am Abend das Dorf. Im Großen und Ganzen wirklte der Ort deutlich weniger bedrückend und beklemmend als Vurte oder die sonstige direkte Umgebung des Bundes. Ulrik zog es vor am Stadtrand zu warten, der Rest von uns begab sich zur Gaststätte zum Brunnenwirt. Beim Betreten des hauptsächlich von fahrenden Händlern besuchten Gasthofes viel Karl eine verdächtige Gestalt auf einer Mauer nahe der Stallungen auf. Der diese zu beschatten blieb jedoch ohne Erfolg und so zog er es vor Ulrik ein wenig Gesellschaft zu leisten. Drinnen währenddessen vermochte Aida es ihren Charme bei einem Nürnberger Händler namens Thomas spielen zu lassen. Hierbei konnte sie einige Informationen zu Tage fördern beispielsweise, dass Gerret bei einer Strafexpedition des Herzogs von Bayern gestellt wurde.

Unsere beiden Gefährten am Waldrand bemerkten unterdessen, dass eben jene Gestalt, welche vor dem Brunnenwirt ihr Unwesen getrieben. Die beiden machten sich sofort an die Verfolgung. Überraschenderweise schlich der Verdächtige in unmittelbarer Nähe der Burg durch den Wald um wenig später mit einem Pfeifzeichen eine weitere Person aus dem Unterholz zu locken. Nach einem kurzem Gespräch und der Übergabe eines Geldsäckchens wurde die Gestalt von Ulrik und Karl gestellt und gefangen genommen.

Auch Aida und ich trafen wieder in unserem Lager vor dem Dorf ein, nachdem ich beschlossen hatte Ulrik und Karl nicht alleine im Wald übernachten zu lassen. Von unserem Gafangenen, einem Gerber namens Seth erfuhren wir, dass er wohl schon seit längerem die Händler im Brunnen auskundschaftete und Informationen über Reiserouten und Stärken der Eskorten an Gerrets Band verkaufte. Von ihm erfuhren wir auch, dass am nächsten Morgen mehrere, möglicherweise ein Duzend Banditen den Händler Gewürzhändler überfallen wollten.

Sollen wir nun die Dinge selbst in Hand nehmen oder sollten wir diesen Ritter von zweifelhaften Rufes hinzuziehen? Die Zeit läuft ab, eine Entscheidung muss getroffen werden!

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