Kapitel 4

Hoch geschätzter Caecilius,

ich hoffe es geht Euch gut. Auch wenn mein letzter Bericht noch nicht allzu lange zurückliegt haben sich in den letzten Tagen doch einige Dinge ereignet die für Euch von Interesse sein dürften.
Alles begann damit, dass vor einigen Tagen ein Feuersalamander von beeindruckender Größe (es mag wohl ein Exemplar von einem halben Schritt Länge gewesen sein) vor Nocturnus auftauchte. Selbstverständlich war damit die Aufmerksamkeit der Magi geweckt, so dass sich Tolides. Cornelius, Elata und Aida sowie meine Wenigkeit sich aufmachten um das Tier zu verfolgen. Es machte fast den Anschein als wollte er uns führen, jedoch verloren wir das Tier in einem Unwetter.
Am Abend tauchte das Wesen erneut auf und diesmal nahmen Cornelius, Elata. Tolides zusammen mit Ulrik Svante und Heinrich, dem seltsamen stillen Neuankömmling die Verfolgung auf. Nachher wurde mir berichtet, dass die Gruppe nach längerer Jagd durch die Dunkelheit zunächst auf einen seltsamen Hügel stießen. Auf diesem befand sich wohl ein anderthalb Schritt großer ovaler Stein. Desweiteren waren wohl auch noch alte Ketten vorhanden um eine Person dort festzuhalten. Cornelius muss sich an diesem Ort wohl unangenehm an irgendeinen Traum erinnert gefühlt haben. Später erfuhr ich, dass an diesem Stein die Bewohner Vurtes vor langer Zeit dem Lindwurm ihre Opfergaben dargebracht haben. Ich mag mir gar nicht ausmahlen was sich an diesem Ort für Gräueltaten abgespielt haben mögen.
Die Gruppe hatte jedoch nicht viel Zeit zur Untersuchung der Stätte, da es immernoch galt dem Feuersalamander zu folgen. Nach etwa einer halben Stunde war dann auch noch Wolfsgeheul zu vernehmen, was für diese Gegend eher unüblich ist, wie ich mir habe sagen lassen. Und dann, urplötzlich, begannen die Ranken, Wurzeln und Moose des Waldes ein Eigenleben zu entwickeln und griffen nach den Füßen der Magi und ihrer Gefährten. Ulrik und Heinrich konnten sich gerade so retten und auch Tolides entging der aggressiven Flora geistesgegenwärtig durch eine Art Levitationszauber. Beinahe zeitgleich griffen auch die Wölfe an. Sie konnten glücklicherweise zurückgeschlagen werden nachdem Ulrik das Alphatier mit einem einzigen Streich seiner mächtigen Axt niederstreckte und Haraldus das Rudel mit einem Donnerhall entgültig vertrieb.
Der weitere Weg durch den Wald wurde nun immer düsterer und zeugte mehr und mehr vom zunehmenden Verfall des Waldes. Schließlich führte das Seltsame Tier die Gesellschaft auf eine große Lichtung.

Dort bot sich ein unerwartetes Bild. Auf jener Lichtung stand eine mächtige, alte Blutulme. Laut Cornelius, der sich auf deren Ästen niederließ hatte der starke Baum Baum jedoch Bereits mit dem Tod zu kämpfen, was auch kaum verwunderlich war, schließlich war der Baum umgeben von einer Gebiet "verbrannter Erde", das sich sich bei näherer Betrachtung als verfaulter Grund rausstellte. Unweit neben dem Baum befand sich ein tiefes Loch im Boden, als wäre hier hier ein weiterer Baum entwurzelt worden. Außerdem steckte Wurzeln der Blutulme aufrecht eine Art von Blitzen umzüngelter Stab oder Speer, den ich im wieteren als Blitzstab bezeichnen Möchte. Gerade als die Magi die Szenerie näher in Augenschein nehmen wollten trat hinter der Ulme eine hünenhafte, schwer gepanzerte Gestalt, von offenbar minderer Intelligenz. Mit blecherner, monotoner Stimme wurde die Gesellschaft mehrfach aufgefordert sich zu entfernen. Ein weiterer Dialog mit dem Wächtergolem war nicht möglich, jedoch verwies er noch darauf, dass es sich um das Eigentum Roznovs handele. Die Magi folgten der Aufforderung natürlich nicht direkt und als Cornelius sich in seine menschliche Form zurückverwandelte, immernoch in den Ästen der Blutulme sitzend, riss der Fremde nahezu mühelos den metallenen Blitzstab aus dem Boden und schleuderte diesen nach Cornelius, der daraufhin leicht verletzt vom Baum fiel. Anschließend holte sich der Wächter den Stab und setzte ihn an de alten Platz. Die Gruppe beschloss, dass es nichts mehr zu tun gab und kehrte nach Nocturnus zurück.
Man saß bei mir in meiner Behausung zusammen und berichtete mir von dem Geschehen, woraufhin ich mir selbstverständlich ein eigenes Bild von der Lage machen musste. Desweiteren hatte, ein ob der Vorgänge sehr entzürnter Frangor klargemacht, dass diese Geschichte im Wald umgehend zu beenden sei und dass er den Blitzstab um jeden Preis haben wolle.
So brachen am nächsten Morgen also Haraldus, Karl, Hans und ich selbst zu jener mysteriösen Lichtung auf. Cornelius und Elata wollten uns folgen nachdem sie noch etwas zu erledigen hatten. Bereits auf dem Weg bot sich uns ein unheimliches Bild. Als wir die Stelle passierten an der unsere Kollegen am Vortag von den Wölfen angegriffen wurden, stellten wir fest, dass der Verwesungsprozess bereits ungewöhnlich schnell fortgeschritten war. Man konnte in dieser verwunschenden Szenerie sogar den närrischen Eindruck gewinnen die Maden würden sich in aggressiver Weise nähern und einige Grogs schienen davon sogar überzeugt!
Als wir an der Lichtung angekommen waren und sich auch Cornelius und Elata wieder zu uns gesellt hatten, mussten wir feststellen, dass die Fäulnis welchen von diesem Ort ausging sich erschreckend schnell ausgebreitet hatte. Die offensichtliche Hypothese war, dass der Stab wahrscheinlich die Ursache des Problems und definitiv eine Untersuch wert war. Da der Wächtergolem bisher immer auf das Betreten der Lichtung reagiert hatte, griff ich mit magischen Mitteln nach dem Stab. Es war mir sogar möglich den Wächter, der dem schwebenden Stab folgen wollte, mit einer List in das Loch zu locken, so dass er uns nicht mehr behelligen würde.
Während Haraldus und meine Wenigkeit den Stab nach Nocturnus zurückbrachten untersuchte Elata weiter den Baum. Sie sollte in den nächsten Tagen herausfinden, dass es die seltsame Blutulme wieder damit begann sich zu regenerieren, sie konnte diesen Vorgang sogar noch magisch ein wenig unterstützen. Auch die Fäulnis fing an diesem Tag an sich wieder zurückzuziehen.
Was den Speer angeht, so blieb mir kaum Zeit für eine gründliche Untersuchung bevor ich ihn an Frangor antreten musste. Ich habe einige Skizzen des Artefaktes, sowie speziell der Ornamente angefertigt, die diesem Brief für Euch beiliegen. Später berichteter Frangor er hätte herausgefunden, dass es sich um ein nicht hermetisches Artefakt zur Visgewinnung handele.
Unabhängig von diesen Ereignissen habe ich noch eine Frage an Euch. Mir fiel vor kurzem ein höchst seltsames Werk eines Autoren namens Sempron in die Hände. Momentan gibt mir das Buch leider nur Rätsel auf. Eigentlich hätte allein dies schon mein Interesse geweckt, als jedoch auch noch Frangor sich wiederholt nach dem Buch erkundigte und es dann auch noch durch einen glücklichen Zufall in die Hände fiel konnte ich nicht anders als mich damit zu beschäftigen. Meine Frage ist nun ob Euch dieser höchst obskure Autor vielleicht bekannt ist. Jede Information könnte mir helfen diese seltsame Werk zu entschlüsseln.
Ein weitere Detail wäre noch erwähnenswert. Einige Tage später tauchte ein Bote vor den Toren von Nocturuns und meldete den Besuch von Srath Vagas, einem Unterhändler Roznovs an.
Dies ist alles was ich momentan zu Berichten weiß.

Euer treuer Diener

Remigius

Pie powered