Kapitel 6: Frühlingserwachen
Ein ereignisreicher Vormittag
Als Elata Anfang April 1176, einen Tag nach dem nächtlichen Angriff der geflügelten Kreaturen, von ihrer mehrere Monate währenden Reise nach Nürnberg zurückkehrt, setzt sie Cornelius über die wichtigsten Ereignisse ins Bild, die sich während ihrer Abwesenheit zugetragen haben. Die zwei Magier, deren gemeinsame Ermittlungen in der Vergangenheit bereits des öfteren Früchte getragen haben, versuchen den Spuren des gestrigen Kampfes nachzugehen, können jedoch lediglich feststellen, dass die Leiber der beiden erschlagenen Kreaturen offenbar in die Labore der Sodales Frangor bzw. Tolides gebracht worden sind, was einige Grogs auf Nachfrage bestätigen. Weder der Princeps, noch Tolides reagieren, als an ihre Türen geklopft wird.
Noch vor Tagesanbruch konfrontiert Athanasios Haraldus bezüglich der nächtlichen Ereignisse. Der Guernicus beteuert, dass Nocturnus nichts mit den abgründigen Kreaturen zu tun habe, die über sie hergefallen seien. Er verspricht überdies, sich sogleich auf den Weg nach Vurte zu begeben, wohin beinahe sämtliche Arbeiter im Zuge des Überfalls geflohen seien.
Dort angekommen, gelingt es ihm, mit einigen wohl gewählten Worten die dort versammelte Arbeiterschaft sowie die hiesigen Kirchhofwachen zu besänftigen und von dem glorreichen Wirken Nocturnus' zu überzeugen. Kaum ist dieser verbale Sieg errungen und ein großer Teil der Arbeiter dazu bewegt, die Arbeit am Turm abermals aufzunehmen, taucht ein rotbärtiger, vom Scheitel bis zur Sohle rund zweieinhalb Meter messender, Riese auf, der sich als Volkmar vorstellt. Er leihe sein Schwert jedem, der ihn bezahlen könne, vorausgesetzt, seine Tätigkeit stehe im Rahmen einer guten Sache. Haraldus lädt ihn ein, ihn nach Nocturnus zu begleiten, um dort bei den Magiern vorzusprechen; ein starker Schwertarm sei stets willkommen.
Volkmars Willkommen in Nocturnus erweist sich als eisiger Empfang, als er dem Majordomus Theuderic vorgeführt wird. Letzterem stößt vor allem die Gesellschaft auf, in der sich Volkmar befindet: zwei unsichtbare, feeische Begleiter, die ihn fortwährend necken. So will es den verstimmten Theuderic auch nicht glimpflich stimmen, dass Volkmar fließend lateinisch spricht und über die Verhältnisse innerhalb des Orden des Hermes bestens informiert ist, schließlich sei sein Vater ein Magus aus dem Hause Bonisagus, und er sei bereits von Hibernia aus durch die halbe Welt gereist. Theuderic jedoch bleibt eisern und versucht den anwesenden Magiern konsequent das Sicherheitsrisiko vor Augen zu führen, die die unberechenbaren und nichtsnutzigen Feen im unmittelbaren Umfeld des Bundes bedeuteten.
Am Mittag des selben Tages drohen sich die Ereignisse zu überschlagen. Zunächst taucht Plinius ex Mercere in Nocturnus auf, der darum bittet, dem Rat der hiesigen Magier vorgeführt zu werden, um ihnen wichtige Nachrichten zu überbringen. Da er bereit ist, einige Tage zu bleiben, bitten ihn Elata und Theuderic kurzzeitig bei der, für Mitternacht anberaumten, Ratssitzung vorstellig zu werden.
Kurze Zeit später schlägt Havald an und führt den, durch den Ruf seines treuen Begleiters hellhörig gewordenen, Heinrich an einen Felsen, wo beide den zerschmetterten Leichnam Uservias entdecken. Heinrich informiert umgehend Theuderic über den Fund, der wiederum Elata und Cornelius darüber in Kenntnis setzt. Letztlich bergen einige Grogs unter der Leitung von Heinrich den Leichnam, während die beiden Magier wie so oft die Spuren sichern und die Habe der toten Maga bergen, die sich im wesentlichen aus einem knorrigen Stab sowie einem schmucklosen Ring aus Kupfer zusammensetzt.
Ratssitzung um Mitternacht
Frangor lässt Theuderic zu sich rufen und weist ihn an, dafür zu sorgen, dass sämtliche Magier einschließlich des verletzten Remigius an dem nächtlichen Treffen teilzunehmen haben. Der eingetroffene Red Cap solle sich für eine kurze Audienz bereit halten. Nachdem letzterer über seine Vorladung informiert worden ist, lässt Theuderic Remigius unter anfänglichem Protest des Magus von einigen Grogs auf einer Bahre in das Sanctum des Princeps verlegen.
Nach der Eröffnung der Ratssitzung zu Mitternacht, bei außer den nach wie vor verreisten Gründungsmitgliedern, der verstorbenen Uservia sowie dem ebenfalls verreisten Tolides sämtliche Magier anwesend sind, bietet Frangor an, Remigius mit Vis aus den Vorräten von Nocturnus zu heilen, was einstimmig angenommen wird. Frangor führt ein hermetisches Ritual durch, nach dessen Abschluss die schlimmsten Verletzungen des Quaesitor geheilt sind und er sich merklich besser fühlt.
Danach wird Plinius gerufen, der sich für zukünftige Depechendienste als Bote anbietet. Er sei in Irencillia stationiert und erbitte im Namen seiner Herren eine Delegation von Nocturnus, um die Zwistigkeiten, die sich vergangenes Jahr während Osianders Besuch zugetragen haben, auf diplomatischem Wege ein für alle Mal beizulegen. Die Magier bitten sich für ihren Entscheid in dieser Sache Bedenkzeit aus, die ihnen Plinius gerne einräumt und währenddessen von der Gastfreundschaft Nocturnus' Gebrauch macht.
Die beiden wichtigsten Tagesordnungspunkte, die im Anschluss ohne das Beisein des Mercere diskutiert werden, sind der erhöhte Sicherheitsbedarf von Nocturnus sowie die Sichtung von Uservias Besitz. Für ersteres müssten sinnvolle Konzepte ausgearbeitet werden, während die Öffnung von Uservias Sanctum im Anschluss an die Sitzung stattfinden soll.
Im Zuge von letzterem wird der, seit dem Bekanntwerden des Todes seiner Herrin am Boden zerstörten, Ulf gerufen, um die Türe von Uservias Sanctum zu öffnen. Als Remigius eine magische Aura an der Türe spürt, beginnen die Magier ob der möglichen Schutzmechanismen zu zögern – was Frangor offenbar zu lange dauert, der nun kurzerhand selbst energisch Hand anlegt, um die Türe zu öffnen. Die Magier beginnen sofort systematisch die Schriften des Labors zu sichten und zu sortieren, die Uservia im Laufe der Jahre gehortet hat. Darunter befinden sich sowohl einige hermetische Werke, als auch verschiedene Labortexte mit Sprüchen.
Der Tag danach
Nachdem Ulf am darauffolgenden Morgen Uservias Leichnam als den ihren identifiziert hat und dabei einen emotionalen Zusammenbruch erleidet, bittet Elata Remigius, in ihrem Beisein Uservias Geist nach möglichen Hinweisen zu befragen, die zur Klärung ihres Todes beitragen könnten. Uservias Geisterstimme klingt geschwächt und wenn überhaupt, so verdächtige sie Frangor, Schuld an ihrem Tode zu sein und es nur auf ihren Besitz abgesehen zu haben. Die Siance findet ein jähes Ende, als Uservias Stimme gurgelnd erstirbt, als sie von nicht näher identifizierten Kräften von der Welt der Lebenden fort gezogen wird. Eine dieser Entitäten bestätigt Remigius' Namen als denjenigen, der das Tor in die Welt der Toten geöffnet habe.
Plinius richtet sich, während er auf die Antwort der hiesigen Magier hinsichtlich der Entsendung einer Delegation wartet, für einige Tage in Nocturnus ein. Er kommt während dieser Zeit mit verschiedenen Personen ins Gespräch, erfährt alles in allem jedoch lediglich Allgemeines über die hiesigen Verhältnisse. Er selbst entlarvt sich nur all zu gerne als Kunstliebhaber, dem es vor allem Jadefiguren jeglicher Art angetan haben.