Kapitel 7: Markttag in Cham

Theuderic schickt Heinrich, Karl und Ulrik mit einem Handkarren und 30 Silbertalern auf den wöchentlichen Markt von Cham, um dort einige Utensilien für Nocturnus einzukaufen. Die drei Grogs verlassen den Bund in aller Frühe und erreichen Cham um die Mittagszeit.

Auf dem Markt sind allerlei Attraktionen zu bewundern: Artisten, Künstler, Feuerspucker sowie ein Mann mit einem Hütchenspiel. Heinrich fordert die anderen beiden auf, nicht stehen zu bleiben und dem Scharlatan keine Aufmerksamkeit zu schenken, doch Ulrik ist fasziniert von der Fingerfertigkeit der Darbietung und Karl dreht gar den Spieß um und wird selbst als Darbieter tätig, was ihm – oh weh! – jedoch nicht recht gelingen will und letztlich dazu führt, dass die drei alsbald ihren Weg durch die Menge fortsetzen, um ihre Einkäufe abzuschließen.

Als sie an einem Stand mit süßem Backwerk verweilen und überlegen, ob das Geld wohl reichen würde, für jeden eine der Leckereien zu erwerben, tauchen zwei Gardisten auf, die sich rücksichtslos ihren Weg durch die Menge bahnen. Während ihnen Karl und Heinrich behende aus dem Weg gehen, wird Ulrik von einem der Gardisten unsanft angestoßen und obendrein noch beleidigt. Versetzt das erstere Ulrik bereits in Rage, so sorgt das letztere schlussendlich dafür, dass Ulrik vollständig die Fassung verliert und handfest auf den Gardisten losgeht, wovon ihn auch Heinrich weder mit gutem Zureden, noch mit Körperkraft abzuhalten vermag. Ulrik beginnt in dem Wappen des roten Ebers buchstäblich rot zu sehen.

Als er den Dienstling des Ritters von Chamerau unsanft niederschlägt, greifen sämtliche Beteiligten beherzt in das Handgemenge ein, doch während Heinrich und Karl spätestens mit dem Anrücken der Kavallerie die Zeit des Rückzug für gekommen halten, stellt sich Ulrik der Übermacht nur all zu bereitwillig mit rot unterlaufenen Augen entgegen. Es dauert nicht lange, bis er von der Übermacht mit Schaum vor dem Mund nieder gerungen und gebunden wird. Ein Mann, hoch zu Ross und mit in einem Kettenhemd bekleidet, Kastellan Jorges, ordnet an, den Aufrührer für sieben Tage in das Loch des Galgenturms zu stecken, ein Umstand, dessen sich Ulrik erst dann gewahr wird, als er sich unweit der Lokalität und seinem sadistischen Kerkermeister wieder findet.

Heinrich und Karl diskutieren einstweilen, ob sie Hilfe holen sollen, besinnen sich dann jedoch darauf, Ulrik eigenhändig aus dem Verlies zu befreien, von dem Karl nur die schlimmsten Gerüchte gehört hat. So schleichen sie sich des nachts an den Galgenturm heran und erkennen gerade noch, wie sich der ungeschlachte Kerkermeister Johann nach dem Genuss der letzten Sonnenstrahlen in das Innere zurückzieht.

Als endlich das Licht in einem der oberen Stockwerke ausgegangen ist, untersucht Karl die Türe und öffnet sie mit seinem Dolch. Im Erdgeschoss befindet sich ein rundes Loch im Boden, das vor Schwärze gähnt und von einem stabilen, metallenen Gitter verdeckt wird. Heinrich und Karl sind sich im klaren, dass es ihnen kaum gelingen wird, das Gitter geräuschlos zu öffnen und verständigen sich deshalb darauf, im Umkehrschluss besonders viel Lärm zu machen, um dadurch Johann aus dem Obergeschoss herunter zu locken – nicht jedoch, ohne vorher nicht ein Seil quer über die Treppe gespannt zu haben.

Der Plan geht auf. Johann blickt über die Maßen verdutzt aus dem Obergeschoss herab und prescht, als er Heinrichs in seiner improvisierten Vermummung gewahr wird, mit einem großen Beil in der Hand die Treppe hinunter. Auf diesen Augenblick hat Karl nur gewartet, der den großen Mann zu Fall bringt und anschließend nach kurzer Gegenwehr mit seinem Knüppel betäubt.

Heinrich und Karl öffnen das Gitter und befreien den verängstigen Ulrik sowie einen weiteren Mann, der aufgrund wiederholten Diebstahls in zwei Tagen zum Tode hätte verurteilt werden sollen. An ihrer Stelle platzieren sie den verhassten Johann, den sie gefesselt in das Loch hinunterstoßen und kehren anschließend auf dem schnellsten Weg nach Nocturnus zurück.

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