Kapitel 8

Remigius Fluch

April 1176: Wir teilen Plinius mit, das Elata und Cornelius Anfang des Herbstes der Einladung Irencillias folgen werden.

12. Mai: Wir werden von Geschrei aus der Einganghalle gestört – Lev hat Bartholomäus am Ohr, und behauptet, er erzählt Lügenmärchen. Diese „Lügenmärchen“ beziehen sich darauf, dass Bartholomäus sagt, er sei zweimal des Nachts Remigius gefolgt, als dieser auf den Berg gegangen sei, und dort habe dieser seltsame Laute von sich gegeben. Als wir Remigius darauf ansprechen, weiss er von nichts, wirkt aber unbehaglich und spricht von Alpträumen, die er hat. Haraldus und ich schauen uns mal die Stelle an, wo Remigius hingelaufen ist. Ausser etwas aufgewühltem Boden ist nichts zu finden. Tulides (Anm. SG: Tolides)will jede Gefahr bekämpfen, es scheint so, als sieht er Remigius als Gefahr an – vor allem, weil er ihn auch schon eines Nachts beobachtet hat, und eine große Schwärze gesehen hat. Ich überrede Volkmar, die Grogs beim Wachehalten zu unterstützen, und wir vereinbaren auch einen Lohn von 1 Silberstück pro Tag plus Kost und Logis für ihn.

13. Mai: In der letzten Nacht ist Remigius wieder schlafgewandelt – wenn man es denn so bezeichnen kann. Er rumorte ganz furchtbar in seinem Haus, bis er es verliess. Seine Augäpfel waren nicht zu sehen gewesen und er hat Volkmar mit blossen Händen beiseitegestossen und dabei verletzt. Wir sind ihm gefolgt, bis Cornelius ihn auf dem Berg mit seinem Rankenspruch festhalten konnte. Noch einige Zeit blieben seine Augen verdreht, bis er dann wieder zu sich kam, und total erschöpft und ausgelaugt aussah. Auf der Stirn schien sich seine Haut zum Teil in Schuppen verwandelt zu haben. Er sagte uns: „Schaut in mein Sanctum“. Cornelius und ich fanden in seinem Sanctum eine schwarze Statue und ein Pergament, dass Remigius so hingestellt hatte, das man es nicht übersehen konnte. In ihm vermutete er, dass er verflucht worden war durch eben jene schwarze Statue. Er war sich auch nicht sicher, dass er die Nacht überleben würde, und hatte sein Testament dort hinterlegt. Es gab auch einen Kasten für die Statue, die schon ganz am Rande des Tisches stand, als ob sie gleich runterfallen würde. Mit einer Zange packte ich die Statue in die Kiste und verschloss sie, so gut es ging. Danach besorgten wir uns noch etwas Mehl, um es über die Kiste zu streuen, so dass wir sehen würden, wenn sich jemand daran zu schaffen gemacht hätte. Danach kehrten wir zu Remigius zurück, der ziemlich geschwächt unter den Ranken lag. Er sagte uns, dass er die Statue von einem Freund geschenkt bekommen habe (wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr), dass sie von einem Händler namens Latislav (Anm. SG Wladeslaw) in Nürnberg stammt und wohl nicht-hermetisch sei. Er habe schon seit anderthalb Jahreszeiten daran geforscht, und wollte auch noch weiterforschen, trotz aller Neben- wirkungen. Ich halte das für sehr gefährlich, vor allem, weil das Ding wohl in der Lage ist, Remigius zu übernehmen, und ihn nach und nach zu verwandeln (jedenfalls sieht es so aus).

Tagsüber hat Remigius dann trotz allem noch weiter an der Statue geforscht – ich habe allmählich den Eindruck, dass er besessen von dem Ding ist, und er mental unter dessen Einfluss steht. Irgendwann ist er dann zusammengebrochen, zum Glück wollte Haraldus nach ihm sehen, und fand ihn. Remigius sagte, dass die Statue nur an ihren Ort zurückgebracht werden wollte, und das er dies tun sollte. Er war allerdings absolut nicht in der Lage zu laufen, so dass Haraldus ihm versprach, die Statue zurückzubringen. Jetzt will Haraldus also losziehen, und der Statue auch noch helfen – die bestimmt einiges an Unheil anrichten wird. Ich kann nicht glauben, dass ein Ding, was Remigius derartig verwandelt, nicht böse ist. Und wenn Haraldus ihm dann auch noch hilft, dieses Böse zu verbreiten... Na ja, ich werde wohl mit ihnen gehen müssen, um vielleicht doch noch größeres Unheil zu verhindern. Neben Haraldus, Tolides und mir kommen auch noch Heinrich, Karl, Volkmar und Hans mit. Ich werde mal Volkmar fragen, ob er mich tragen kann – natürlich in kleinerer Form (miau).

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14. Mai (?): Wir erreichen unser Ziel. Fortsetzung folgt...

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