Kapitel 2

Osiander läßt sich nicht abweisen

21.4.1175:

Haraldus hat das Buch "Ewig singen die Wälder" untersucht. Als er es mir am Abend brachte, meinte er, dass bei einigen Teilen er bezweifele, dass es ohne Qualitätsverlust kopiert werden könnte. Er verabschiedete sich dann auch, da er abreisen und einige Zeit fortbleiben wollte. Ich bin darüber nicht glücklich, weil es mir lieber gewesen wäre, wenn alle (zumindest der verfügbaren Magier) im Covenant sein würden, wenn Osiander zurückkäme, aber die Notwendigkeit dessen schien Haraldus nicht einzusehen. Nun ja, die nächste Woche werde ich wohl schon einmal ein wenig in den Buch lesen - Herbam gehört zu den Dingen, die ich sowieso lernen wollte.

26.4.1175:

Bis heute ist nicht viel passiert. Ich habe mich etwas in der Bibliothek umgesehen, und leider keinen Labortext gefunden, der nach Aegis aussieht. Die anderen Bücher werde ich mir später noch einmal gründlicher anschauen müssen. Danach habe ich etwas in dem Buch gelesen, und es scheint, als würde sich in den Farben der Illustrationen noch interessante Dinge verbergen, allerdings wird es wohl noch ein Weilchen dauern, bis ich darin etwas sinnvolles erkennen kann.
Haraldus ist abgereist, aber nicht allzu bald danach zurückgekommen - er hat es sich wohl doch anders überlegt. Er will sich wohl einen Turm bauen, statt in den Höhlen zu wohnen.
Tolides hat sich in seinem Quartier vergraben, von ihm habe ich nichts gehört oder gesehen.
Cornelius hat arrangiert, dass seine persönlichen Dinge noch nach Nocturnus geliefert werden, vielleicht hat er dann etwas passendere und standesgemäßere Kleidung.

Morgen will Osiander seine Antwort haben, deshalb habe ich noch mal alle jungen Magier zum Essen eingeladen. Aida, die Köchin wollte eigentlich ein Lamm besorgen, erhielt aber von Lev die Auskunft, dass dafür zur Zeit nicht genügend Geld da sei. Ich habe mit Lev gesprochen, und er sagte, dass Tolides eine größere Bestellung aufgegeben hätte, und er normalerweise von Uservia weiteres Geld bekomme, die aber nicht da sei. Er bot mir an, dass ich ja die Bestellung von Tolides stornieren könnte, aber das werde ich nicht ohne gewichtigeren Grund als ein Lamm zum Essen tun. Dann war natürlich Aida unglücklich mit Levs Entscheidung, kein weiteres Geld herauszugeben. Sie scheint eine der Personen zu sein, die immer sich beklagen müssen, wenn etwas nicht gut läuft (und vielleicht auch manchmal, wenn alles in Ordnung ist). Wenn wir wieder etwas mehr Geld haben, hoffe ich, dass ich Ihr dann mal ein paar Gewürze mitbringen kann, damit sie wieder etwas zufriedener ist. Eine gute Köchin ist wichtig.

Beim Abendessen habe ich die Punkte zur Sprache gebracht, die geklärt werden sollten: unser (hoffentlich momentaner) Geldmangel, unsere nicht vorhandene Aegis und natürlich das Angebot von Osiander. Geld schien allen unwichtig zu sein, da war Meinung der Anwesenden: Abwarten, bis Uservia wieder da ist (was hoffentlich bald der Fall ist). Bei der Aegis sieht es nicht so aus, als ob irgendeiner der Anwesenden bald in der Lage wäre, etwas gegen den Mangel zu tun, mal ganz abgesehen von der Frage nach dem Vis. Bei der Frage nach dem Angebot Osianders war es Tolid und Haraldus egal, während Cornelius und ich uns gegen den Handel aussprachen, selbst auf die Gefahr hin, Osiander und eventuell Irencillia zu verärgern.

27.4.1175

Aida ist fast umgefallen, als sie hörte, dass sie heute noch mal möglichst gut kochen sollte - Hauptproblem war wohl, das Lev nicht jeden Tag ein Huhn opfern will. Jedenfalls brauchte sie erst mal ein paar verbale Streicheleinheiten. Aber da ich sicher bin, dass Osiander wieder mit Begeisterung mitessen wird, ist das notwendig. Er wird sowieso nicht begeistert sein, wenn wir sein Angebot ablehnen.

Das wäre geschafft. Das Essen mit Osiander lief besser als erwartet - vielleicht auch, weil wir während des Essens (wie immer gut gekocht von Aida trotz mangelnder Zutaten) nur über unwichtige Dinge geredet haben, wenn überhaupt. So, wie Osiander isst, könnte man meinen, er bekommt sonst nichts Gutes zu Essen. Danach war er aber um so mehr daran interessiert, das Buch in seine Hände zu bekommen, er bot sogar 12 Bauern Vis zusätzlich zur Kopie an. Als wir sein Angebot immer noch ablehnten, wollte er eine Weile noch bleiben (vermutlich in der Hoffnung, uns doch noch umzustimmen, oder auch für finsterere Dinge...). Gastfreundschaft wollte ich ihm dann auch nicht versagen, allerdings sein Wunsch, sich ohne Gegenleistung in der Bibliothek umsehen zu dürfen, fand ich dann doch etwas unverschämt. Also wurde ihm eine Höhle zugewiesen und Wachen aufgestellt. Ich wies Susanne an, wachzubleiben, und mich am frühen Morgen (oder wenn sie nicht mehr wachbleiben konnte) zu wecken. Haraldus postierte sich am Eingang der Höhle, während Tolides nach draußen verschwand.

28.4.1175

Osiander hat wohl am besten von allen geschlafen, jedenfalls war er gut gelaunt und unternahm zusammen mit Haraldus einen Spaziergang. Danach war Haraldus fix und fertig, und hat sich erst mal hingelegt. Cornelius schlief jedenfalls ab mittags auf einem Baum vor den Eingang sitzend. Ich habe noch ein wenig im Buch studiert. Nachmittags kam ein weiterer Magier an, Remigius filius Malachias ex Guernicus, seines Zeichens Quaesitor. Er traf erst mal auf Osiander, der in der Nähe des Höhleneingangs am Blümchenpflücken und -bewundern war. Im Laufe des Gesprächs der beiden versuchte Osiander herauszufinden, was Remigius hier wollte, und bot ihm an, "ihm bei seinen quaesitorialen Aufgaben zu helfen". Remigius war unverbindlich freundlich und wurde dann erst mal zu mir gebracht. Er sagte mir, das er Mitglied in Nocturnus werden wollte. Ich erklärte ihm dann, dass er sich dafür bei Frangor vorstellen sollte. Da Uservia immer noch abwesend war, übernahm ich es, bei Frangor einen Termin für Remigius auszumachen. Bei Frangor im Labor quietschte und rasselte es, die Kerzen vor der Tür waren aus und ich musste relativ laut rufen, damit ich eine Antwort von Frangor bekam. Ich möchte gar nicht wissen, was er die ganze Zeit in seinem Labor treibt. Frangor erklärte sich einverstanden, Remigius um Mitternacht zu empfangen. Danach ging ich mit Remigius hinaus zu Haraldus, der inzwischen wieder aufgewacht war. Remigius und Haraldus kannten sich wohl von früher, jedenfalls erzählte Haraldus Remigius fast alles von der Geschichte mit Osiander. Als es um das genaue Angebot Osianders ging, bremste ich ihn dann doch mal - noch war Remigius nicht Mitglied, und es musste schliesslich nicht jeder x-beliebige Magier alle Details unserer Verhandlung mit Osiander kennen. Sobald Frangor ihn aufgenommen hatte, war immer noch genug Zeit, um ihn in alle Details einzuweihen. Ich überließ ihn dann Haraldus und ging selber schlafen, da zu erwarten stand, dass die Nacht wieder recht kurz werden würde. Ich wurde nach kurzer Zeit wieder von Osiander gestört, der offensichtlich erwartete, dass es wieder ein gemeinsames Essen in meinem Konferenzraum geben würde. Ich sagte ihm, dass ich unpässlich sei, und konnte dann wieder mich meiner Nachtruhe hingeben.* Diese wurde grob unterbrochen, als Alarm vom Höhleneingang gegeben wurde. Ich hörte mehrere Spruchzauber und stürzte so schnell wie möglich nach vorne und sah Cornelius als Raben gerade noch von Flammen umhüllt werden, die ihm aber zum Glück nichts auszumachen schienen. Osiander hatte wohl das Feuer auf ihn geworfen. Ich sprach meinen Spruch, der mir die wahre Gestalt enthüllt, sah aber ausser Osiander momentan niemand - soll heissen, niemand unbekannten, denn Remigius und Bartolomäus, der Grog waren auch inzwischen eingetroffen. Dann wurden die Felle, die den Eingang verschliessen, zurückgeschlagen, ohne das etwas zu sehen war. Gleich darauf stürzte Bartolomäus zu Boden, das Blut schoss aus einer Wunde im Rücken. Remigius versuchte, Osiander in Schlaf zu versetzen, während Cornelius ihn zur Tür herausblies. Als ich erneut meinen Spruch sprach, sah ich im Höhleneingang eine große, grob menschenähnliche, aber geschuppte Gestalt, die eine seltsame Stangenwaffe in der Hand hielt, von der noch das Blut Bartolomäus tropfte. Ich färbte ein wenig die Luft ein, damit wir wenigstens erahnen konnten, wo sich die unsichtbaren Wesen aufhielten. Dieses Wesen wurde in die Luft gehoben. Danach überschlugen sich die Ereignisse, Osiander wurde nach draußen geblasen und gleich darauf in Ranken eingefangen. Er machte sich unsichtbar, und ein weiteres unsichtbares Etwas arbeitete sich durch die Ranken durch. Inzwischen waren die Grogs und Haraldus von Remigius alarmiert worden, und eilten zur Hilfe. Osiander schaffte es zwar, befreit zu werden, aber das Wesen, das ihn freigeschnitten hatte, wurde von Hans mit seiner großen Axt voll getroffen, und dann auch sichtbar. Es war ein weiteres geschupptes humanoides Wesen. Auch das andere Wesen wurde wieder sichtbar, als es aus einiger Höhe zu Boden krachte. Haraldus nahm sofort die Verfolgung von Osiander auf, was aber in der Dunkelheit mit grossen Schwierigkeiten verbunden war, da Osiander wieder unsichtbar war. Cornelius und ich beschlossen, uns kurz zu verschnaufen und dann Osiander anhand seines Geruchs zu verfolgen. Dafür wollte ich uns Hundenasen machen.

* Später erfuhr ich, dass Osiander zum Essen zu den Grogs geschickt worden war, da auch die anderen Magier dort aßen, und empört über die einfache Tonschale mit Eintopf, diese gegen die Felswand geschleudert hatte, und wutentbrannt begleitet von Rascheln im Gebüsch davongezogen war.

Letzte Änderung dieser Seite: 10.02.2007 11:45 | Kategorien: Chronik